Dual studieren im Rheinland

Die Zeit optimal nutzen

Das duale Studium ist in Deutschland ein gefragtes Studienmodell. Das gilt auch für das Rheinland. dipolo gibt einen Überblick über dortige Studienangebote, Wissenswertes und Besonderheiten.

  • Die Metropolregion Rheinland kann eine hohe Dichte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen vorweisen. | Foto: Ulla Anne Giesen
  • Zwischen Hochschule und Unternehmen: Im Betrieb beschäftigen sich dual Studierende vor allem mit der Praxis, im Hörsaal steht die Theorie im Vordergrund. | Foto: Julien Fertl
  • Interessierte können aus einer entsprechend großen Anzahl an Studiengängen den für sie passenden auswählen. | Foto: Julien Fertl
Portraitfoto Helena Wisbert
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Foto: FOM Hochschule

Prof. Dr. Helena Wisbert

Portraitfoto Christine Hummel
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Foto: Friederike von Heyden

Dr. Christine Hummel

In der dicht besiedelten Hochschullandschaft des ­Rheinlands haben sich bereits zahlreiche junge Leute mit Hochschulreife für dieses Studien­modell entschieden – und das Interesse reißt nicht ab. „Wir beobachten, dass die Nachfrage nach dem dualen Studium im Rheinland nach wie vor ansteigt“, sagt Professorin Dr. Helena Wisbert, Sprecherin des FOM Hochschulbereichs Duales Studium.

Auf Unternehmensseite schreiben neben großen Konzernen vor allem kleine und mittelständische Betriebe verstärkt Stellen für dual Studierende aus. Bei der Umsetzung kooperieren sie überwiegend mit den staatlichen und privaten Hochschulen vor Ort. (Eine Übersicht über die Hochschulen im Rheinland und die dort angebotenen dualen Studiengänge findest du hier.) Dabei handelt es sich in erster Linie um Fachhochschulen. Mit der Bergischen Universität Wuppertal und der Universität Duisburg-Essen sind jedoch auch zwei Unis darunter. „Wir machen sehr gute Erfahrungen mit dem dualen Studium“, betont Dr. Christine Hummel, Leiterin der Zentralen Studienberatung an der ­Bergischen Universität ­Wuppertal. „Die Studierenden sind sehr motiviert, leistungsstark und erzielen mitunter sogar bessere Noten als ihre Kommilitonen, die regulär studieren. Und nach dem Abschluss profitieren sie von den Kontakten, die sie während der Studien- und Ausbildungszeit knüpfen konnten.“

Überwiegend mit Berufsausbildung

Portraitfoto Nina Best
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Foto: Hochschule Niederrhein

Nina Best

Zum größten Teil sind die dualen Studiengänge im Rheinland ausbildungsintegriert, wie etwa an der Hochschule ­Niederrhein: „Dual Studierende absolvieren neben dem Studium parallel eine anerkannte Berufsausbildung. Auch das Studium selbst orientiert sich stark an der Praxis“, erklärt Studienberaterin Nina Best. In ausbildungsintegrierten Studiengängen erwerben die Studierenden in der Regel innerhalb von drei bis viereinhalb Jahren zwei Abschlüsse. Studiengänge mit integrierter Berufsausbildung sind auf den Hochschul- und anderen Infoseiten jedoch nicht immer als „dual“ gekennzeichnet; alternativ werden Begriffe wie beispielsweise „kooperatives Studium“ oder „Kooperative Ingenieurausbildung (KIA)“ verwendet.

„Wer Ausbildung und Studium miteinander kombiniert, nutzt die Zeit optimal“, findet Helena Wisbert. „Die Studierenden betrachten eine Thematik aus bis zu drei verschiedenen Perspektiven: Hochschule, Unternehmen, oft auch Berufsschule.“ Die Möglichkeiten für einen Lerntransfer seien daher ideal. „Es ist eine Lernform, bei der die jungen Leute enorm viel mitnehmen. Anstrengend zwar, aber mit Blick auf einen vorzuweisenden Hochschulabschluss und erworbene Berufspraxis lohnenswert.“

Studieren im Rotationsmodell

Viele der dualen Studienangebote im Rheinland folgen dem Rotationsmodell. Das heißt, der Wechsel zwischen Theorie und Praxis ist so organisiert, dass die Studierenden während des Semesters meist zwei bis drei Tage pro Woche im Unternehmen im Einsatz sind und die restliche Zeit an der Hochschule sowie gegebenenfalls an der Berufsschule lernen. In den Semesterferien unterstützen sie wiederum ihre Arbeitskollegen im Betrieb. Und nach Abschluss der Ausbildung verbringen sie die Semester meist komplett an der Hochschule, studieren also in Vollzeit.

Andere duale Studiengänge funktionieren nach dem Blockmodell. Das kann bedeuten, die Studierenden sind das gesamte Semester über an der Hochschule und während der vorlesungsfreien Zeit im Betrieb. Oder Theorie und Praxis wechseln sich regelmäßig ab, meist im Drei-Monats-Rhythmus.

In der Gestaltung des dualen Studiums sind die Hochschulen flexibel, was die Vielfalt an unterschiedlichen Zeitmodellen erklärt. So gibt es beispielsweise auch Studiengänge, die Auszubildende abends und/oder am Wochenende beziehungsweise als Fernstudium absolvieren.

Große Auswahl an Studiengängen

Das duale Studium gibt es im Rheinland bereits seit über 30 Jahren. Anfang der 1980er-Jahre hat die Hochschule Nieder­rhein als erste die Fächer Maschinenbau und Chemieingenieur­wesen dual angeboten. Mittlerweile ist das Studienangebot deutlich gewachsen – neben der Hochschule Niederrhein auch an vielen anderen Hochschulen in der Region.

Überwiegend werden im Rheinland wirtschafts- und ingenieurwissenschaftliche duale Studiengänge angeboten. Das heißt, einerseits stehen Studiengänge wie Betriebswirtschaft, Business Administration, International Business, Finance, Handels- oder Logistikmanagement zur Auswahl. Andererseits sind viele Angebote im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und Mechatronik, im Bau- und Wirtschaftsingenieurwesen zu finden. Des Weiteren bestehen mehrere duale Studiengänge rund um Informatik oder Chemie.

Scientific Programming und Co.

Portraitfoto Jan Rathjen
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Foto: Thilo Schmülgen

Jan Rathjen

Darüber hinaus gibt es Aushängeschilder, die einzigartig sind, etwa Scientific Programming. Dieser duale Studiengang wurde von der Fachhochschule Aachen in Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich ins Leben gerufen.

Im Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach findet sich der gleichnamige duale Studiengang – deutschlandweit einer von zwei dualen Studiengängen in diesem Bereich. (Mehr darüber erfährst du in dieser Reportage.)

Eine weitere Besonderheit im dualen Studienangebot ist das sogenannte „Kölner Modell“ an der TH Köln. Es ist speziell auf die Versicherungsbranche ausgerichtet und verbindet eine Ausbildung zum/r Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen mit einem Bachelorstudium mit Schwerpunkt Versicherungswesen (siehe Reportage).

Vorteile für Unternehmen

Portraitfoto Andreas Beumers
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Foto: Fachhochschule Aachen

Andreas Beumers

„Für Studierende ist das duale Studium gewinnbringend wegen des hohen Praxisbezugs“, sagt Jan Rathjen, Leiter des Hochschulreferats Studium und Lehre an der TH Köln. Aber nicht nur für sie: Auch von Unternehmensseite wird das duale Studium sehr geschätzt. „Wir sehen, dass immer mehr Unternehmen gezielt auf uns zukommen, um ein duales Studium anzubieten. Ihnen geht es darum, langfristig Fachkräfte zu gewinnen“, erklärt Andreas Beumers, Koordinator für die dualen Studiengänge an der Fachhochschule Aachen. Einen weiteren Vorteil für Unternehmen sieht Andreas Beumers in der Zufriedenheit: „Die dual Studierenden sind grundsätzlich sehr ambitioniert. Von den Studierenden bekomme ich immer wieder die Rückmeldung, dass sie mit dem dualen Studium sehr zufrieden sind und den Weg jederzeit wieder einschlagen würden – und das trotz hoher Leistungsanforderungen.“