Einführung

Doppelt hält besser

Eine Studentin lehnt sich in einem Hörsaal auf einem Tisch auf.

Dual Studierende eignen sich Wissen an verschiedenen Lernorten an – im Hörsaal, im Betrieb und meist auch an der Berufsschule. | Foto: Martin Rehm

Dank des dualen Studiums können Interessierte eine wissenschaftliche Ausbildung an einer Hochschule oder Berufsakademie mit beruflicher Praxis in einem Unternehmen oder einer sozialen Einrichtung verknüpfen. Seit Jahren erfreut sich dieses Studienmodell großer Beliebtheit.

Vor mehr als 40 Jahren entwickelten in Baden-Württem­berg Vertreter aus Wirtschaft und Politik eine praxisnahe Alternative zum klassischen Studium, um Nachwuchskräfte maßgeschneidert und auf Hochschulniveau auszubilden. Bis heute zählt das Land zur Spitzengruppe und liegt mit 275 dualen Studiengängen im Jahr 2017 auf dem dritten Platz hinter Bayern (321) und Nordrhein-Westfalen (311).

Große Auswahl

Insgesamt gibt es deutschlandweit inzwischen 1.592 duale Studie­nangebote an Hochschulen und Berufsakademien, wie das Informationsportal AusbildungPlus meldet. Fast 100.800 junge Leute absolvieren derzeit ein duales Studium, doppelt so viele wie noch 2010. Nach wie vor ist der Großteil der dualen Studiengänge im Ingenieurwesen (38 Prozent) und in den Wirtschaftswissenschaften (34 Prozent) angesiedelt. Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl an Angeboten, die auch Studiengänge in Informatik, im Gesundheits- und Sozialwesen, in Naturwissenschaften wie Mathematik oder in Design, etwa Architektur, einschließen.

Ausbildungs- oder praxisintegriert

Zwei Studienmodelle sind besonders weit verbreitet und für Abiturienten in erster Linie relevant: das ausbildungsintegrierte und das praxisintegrierte duale Studium. Das ausbildungsintegrierte Modell kombiniert in der Regel ein Studium mit einer Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf, zum Beispiel ein Maschinenbaustudium mit einer Ausbildung zum Industriemechaniker.

Im praxisintegrierten Studium werden neben dem Studium mehrere intensive Praxisphasen im Unternehmen oder in einer sozialen Einrichtung absolviert, Studierende erwerben jedoch nur einen Abschluss an der Hochschule, keinen in einer Ausbildung (siehe Infobox „Studienmodelle“).

Block- oder Rotationsmodell

Diese Studienmodelle können vom zeitlichen Ablauf her unterschiedlich gestaltet sein. In der Regel wird im Blockmodell unterrichtet, bei dem sich Theorie und Praxis beispielsweise vierteljährlich abwechseln oder sich auf die Studiensemester und die vorlesungsfreie Zeit beziehungsweise das Praxissemester verteilen. Beim Rotationsmodell hingegen findet meist ein tageweiser Wechsel statt. Aber auch hier stehen während der vorlesungsfreien Zeit Praxisphasen auf dem Programm.

Da Aufbau und Ablauf nicht nur regional, sondern unter Umständen auch von Fall zu Fall variieren, ist es ratsam, sich vor Studienbeginn bei der Studienberatung und dem Ausbildungsbetrieb über die Bedingungen zu informieren. Was die Studiengänge jedoch in der Regel gemeinsam haben: Sie werden vergütet und die dual Studierenden haben Anspruch auf Urlaub während der Praxisphasen.

Gezielt ausgebildet

Nach einem erfolgreichen Abschluss des dualen Studiums sind die Übernahmechancen für Absolventen meist sehr gut. So schätzen die Unternehmen, dass die jungen Fachkräfte gezielt ausgebildet wurden und bereits über Praxiserfahrung verfügen.

Wie sehr sich Unternehmen für das duale Studium engagieren, lässt sich belegen: Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft investierten deutsche Unternehmen im Jahr 2015 rund 1,4 Milliarden Euro in die Förderung des dualen Studiums – fast 50 Prozent mehr als noch im Jahr 2012.

Viel Disziplin gefragt

Ein duales Studium ist allerdings nicht nur mit Vorteilen (siehe Infobox „Was spricht für ein duales Studium?“), sondern auch mit hohen Anforderungen verbunden. Unternehmen suchen sehr leistungsstarke und engagierte Bewerber, die mit der Doppelbelastung gut zurechtkommen. Gerade wenn sich die Klausurphase an der Hochschule mit der Lernphase für die Abschlussprüfung der Ausbildung überschneidet, wird den Studierenden viel Disziplin abverlangt. Aber mit der richtigen Selbstorganisation und -motivation ist auch das zu schaffen.

Studienmodelle

Ausbildungsintegriertes Studium

  • Hochschulabschluss: ja
  • Beruflicher Bildungsabschluss: ja
  • Praxis und Theorie: im Wechsel
  • Vergütung: orientiert sich in der Regel an der Ausbildungsvergütung. Für die Zeit nach der abgeschlossenen Berufsausbildung wird das Entgelt individuell zwischen Studierenden und Unternehmen vereinbart.
  • Dauer: 3 bis 4,5 Jahre

Praxisintegriertes Studium

  • Hochschulabschluss: ja
  • Beruflicher Bildungsabschluss: nein
  • Praxis und Theorie: im Wechsel
  • Vergütung: Zumindest für die Praxisphasen ist eine Vergütung die Regel. Meist wird jedoch ein monatliches Entgelt gezahlt.
  • Dauer: 3 bis 3,5 Jahre

Info

Was spricht für ein duales Studium?

Verbindung von Theorie und Praxis: An der Hochschule erworbenes Wissen lässt sich im Betrieb direkt in der Praxis anwenden. Umgekehrt helfen die praktischen Erfahrungen, das Theoriewissen besser zu verstehen und einzuordnen.

Zeitvorteil: Mit einem ausbildungsintegrierten Studium ist man in der Regel ein Jahr früher fertig als diejenigen, die Ausbildung und Studium nacheinander absolvieren.

Innenperspektive: Dual Studierende erhalten fundierte Einblicke in betriebliche Strukturen, Arbeitsweisen und Abläufe.

Vergütung: Ein eigenes Einkommen gewährt eine gewisse finan- zielle Unabhängigkeit und Sicherheit.

Gute Karrierechancen: Da die Unternehmen ihren Nachwuchs gezielt ausbilden und fördern, klappt es meist auch mit der Übernahme. Auch um die Karriereaussichten ist es in der Regel gut bestellt.